Meine Region - NSG See am Goldberg mit Anglerweiher und Umgebung

 

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 Das Naturschutzgebiet See am Goldberg liegt am nordöstlichen Ende der Stadt Heusenstamm, zwischen der L3117 und der A3, jedoch noch im Bereich der Autobahnauf- und Abfahrt Obertshausen. Früher gehörte dieses Gebiet mit etwa 12 Hektar Fläche zum Schönbornschen Anwesen und wurde deshalb auch "Schönbornsche Kiesgrube" oder "Heusenstammer Riviera" genannt. Hier wurden bis zu den 1950ger Jahren große Mengen Kies abgebaut, der für den Autobahnbau der A3 und für Nachkriegsbauten dringend benötigt wurde. Danach war dieses Gebiet ein beliebtes Freizeitgelände und gehört seit den 1970ger Jahren der Stadt Heusenstamm. Etwa 1975 begannen dann die ersten Überlegungen hier ein Naturschutzgebiet einzurichten. Zunächst erfolgte dies nur Schritt für Schritt. Dann am 10. Oktober 1977 war es soweit, der See am Goldberg und das umfassende Gelände wurde durch eine Verordnung endgültig zu einem Naturschutzgebiet erklärt. Das heutige Biotop ist das Ergebnis einer über 40 jährigen Renaturierung und war zunächst als Trittstein zur Ansiedlung von heimischen Wasservögeln gedacht. Dieses Sekundärbiotop war übrigens für den Naturschutz in Hessen ein großes Vorbild. Durch den stufenartigen Kiesabbau entstand die Kulisse einer ehemaligen Flusslandschaft, mit Flachwasserzonen, flachen Inseln, Kanälen und unterschiedlich steilen Hängen. Heute ist das Gebiet vollständig bewachsen. Große Schilfflächen wechseln zu Gras- und Buschland. Der alte Baumbestand bestehend aus Kiefern im Norden und Weiden auf der Ostseite tut sein übriges zur Entwicklung der Artenvielfalt. Auf dem großen See findet man zu unterschiedlichen Jahreszeiten alle möglichen Arten von Enten. Häufig wird dieses Gebiet auch von durchziehenden Vögeln als Rastraum während des Vogelflugs genutzt. Haubentaucher leben hier und ziehen ihre Jungen groß, so wie ich dies schon in meiner Galerie "Portfolio Haubentaucher" fotografisch dokumentiert und beschrieben hatte. Bruthöhlen der Buntspechte kann man hier regelmäßig ab April ausmachen. Grünspechte findet man häufig nur im Bereich des Nord- und Ostufers. Flussregenpfeifer hingegen eher auf und um die Insel des Anglerweihers, der im Landschaftsschutzgebiet auf der genau gegenüberliegenden Seite der L3117 liegt. Überhaupt wechseln gerade Wasservögel hier häufig zwischen beiden Gewässern hin und her. Seit ein paar Jahren kommen regelmäßig im Spätherbst Rohrdommeln zum überwintern und auch Zwergdommeln wurden bereits beobachtet. Ab März ziehen dann diese Vögel wieder zurück in ihre Brutgebiete. Seltene Singvögel wie Zilpzalp, Pirol, Baumläufer, Sumpf- und Schwanzmeise, Grünling, Singdrossel, Nachtigall, verschiedene Arten Grasmücken, Rotkehlchen, Sommer- und Wintergoldhähnchen, Eisvogel, nur um die wichtigsten Arten zu nennen die hier vorkommen. Seit 2017 kommen ab und zu Silberreiher und seit diesem Jahr 2019 auch das erste Mal ein Purpurreiher hier vorbei. Natürlich gehören Graureiher und Kormoran sowieso zum Standardprogramm. Was man unbedingt auch erwähnen sollte ist, das lohnende Artenspektrum von vorhandenen Insekten. Besonders seltene Libellen wie die Blutrote Heidelibelle, Großer Blaupfeil und die Feuerlibelle sind hier ebenfalls sehr häufig vertreten. Genauso Blindschleichen, Frösche und Kröten und natürlich invasive Tierarten, wie Kanada- und Nilgans und Nordamerikanische Schmuckschildkröten, die irgendwann hier ausgesetzt wurden. Ich denke es lohnt sich immer mal wieder zu unterschiedlichen Tages- und Jahreszeiten hier vorbei zu schauen, auch wenn sich viele Beobachtungen nur auf das Fernglas und entsprechende Brennweiten beschränken. Was sich meiner Meinung nach gar nicht gut verträgt ist die zunehmende Nutzung als Freizeitraum und der Lärm und Gestank der wenige 100 Meter entfernten A3 und der sehr stark befahrenen L3117. Letztere kann man hier leider häufig nur unter Lebensgefahr überqueren.