Portfolio Marderhund - Nyctereutes procyonoides

 

Alle Fotos 2015 - 2019 aus dem Wildpark Alte Fasanerie Klein Auheim

 

 

Marderhunde sind in erster Linie possierliche Tierchen mit sehr gutem Sozialverhalten. Es ist sehr schön wie die Lebenspartner miteinander umgehen und sich gegenseitig pflegen. Leider gehört der Marderhund nicht zu den Europäischen Tierarten und ist somit ein Neozoen, oder kurz gesagt, ein illegaler Einwanderer! Ursprünglich kommt diese Tierart, in sechs Unterarten, überwiegend nur im Europäischen Teil Russlands, der Ukraine und in einigen Teilen Südostasiens, bis nach Japan vor. Zur Bereicherung der Pelztierfauna hatte Russland zwischen 1930 und 1945 etwa 10.000 Tiere in die Freiheit entlassen. Von hier aus verbreiteten sich die anpassungsfähigen Individuen bis zu uns und richten mittlerweile leider auch große Schäden an. Es ist also eine ähnliche Geschichte wie mit den Waschbären, die heute in einigen Gegenden zum Problem geworden sind. Die EU führt sie derzeit schon als unerwünschte Tierart und beobachtet ihre weitere Verbreitung! Daher hat der Marderhund auch weitere Namen, wie Enok, Mangut, Ussurischer Waschbär, Waschbärhund und Obstfuchs, je nach Herkunft. Ihr ursprüngliches Vorkommen sind Gewässerreiche relativ flache Landschaften, wobei sie nicht im Gebirge, über 500 m Höhe und in Wüsten vorkommen. Bei uns bevorzugen sie ebenfalls wasserreiche Kulturlandschaften und Wälder, vermehren sich gut und fühlen sich offensichtlich dabei sehr wohl! Wie der Name schon sagt gehören sie zu den Hundeartigen (Canidae) und sind Raubsäuger (Carnivora). Insgesamt sind sie Allesfresser, auch mit einem jahreszeitlich hohen Anteil an pflanzlicher Kost und offensichtlich auch Aasfresser. Letzteres ist ja durchaus auch positiv. Allerdings sind sie keine großen Jäger und gehören eher zu den Sammlern ihrer Zunft! Gut entwickelt ist ihr Gehör und der Geruchsinn, wie bei allen Hundeartigen. Sehen gehört eher zu ihren Schwächen. Ihre Lautäußerungen sind sehr interessant. Ein Knurrlaut der vor Gefahren warnt, ein Winseln bei Jungtieren und höchstens mal ein heiseres und nicht sehr lautes Kläffen. Sie sind eben Hunde die nicht bellen! Die Tiere sind relativ kurzbeinig und sehen zeitweilig wirklich kugelrund aus, wobei das mittellange Fell schon auf dem Boden schleift. Dafür haben sie sehr hübsche Gesichter, die mit ihrer Zeichnung schon an Waschbären erinnern. Ihre Fülle ist besonders im Spätsommer und Herbst relevant. Zu der Zeit fressen sich die Tiere eine Speckreserve für den Winter an. Die Hauptkomponenten ihrer Nahrung sind Kleinsäuger, Wirbellose, Vögel, Amphibien, Pflanzen wie Mais und allerlei Obst. Genau hierin besteht das Problem. Zum einen gibt es dadurch erhebliche Schäden in der heimischen Flora- und Fauna, zum anderen aber auch in der Landwirtschaft! Normalerweise sind diese Tiere etwa so groß wie ein Dachs und wiegen dann im Schnitt so 5 bis 8 Kg. Während der genannten Zeit zum Winter hin allerdings auch bis zu 12 Kg. In der Winterruhephase benötigen sie deshalb nur wenig Nahrung. Marderhunde leben monogam und bringen so Anfang April etwa 7 bis zu 10 Welpen zur Welt. Um den Nachwuchs kümmern sich beide Eltern. In der Regel gibt es dabei Arbeitsteilung. Während der Rüde die Jungen bewacht, sucht die Fähe nach Nahrung. Dabei nimmt der Rüde in den ersten Wochen nur sehr wenig Nahrung auf. Nach etwa 6 bis 8 Monaten sind dann die Jungtiere entwöhnt und verlassen das gemeinsame zu Hause, da sie selbst dann schon wieder mit 10 Monaten geschlechtsreif sind und eigene geeignete Partner suchen. Der Wildpark Alte Fasanerie hat ein sehr schönes Gehege für diese Tiere und es macht immer wieder Freude, die gut an Menschen gewöhnten Tiere zu besuchen und zu beobachten.