Portfolio - Sikahirsch - Cervus nippon

 

Alle Fotos 2013 - 2018 aus dem Wildpark Alte Fasanerie Klein Auheim

 

 

Deutlich kleiner als unser Rothirsch ist der Sikahirsch, der ursprünglich nicht bei uns vorkam. Die Tiere stammen aus Ostasien und wurden bei uns und in vielen anderen Ländern Europas eingebürgert. Der Name Sika kommt aus dem Japanischen "Shika!". Von der Größe her sind sie durchaus vergleichbar mit unseren Damhirschen. Die Kopfrumpflänge der Hirsche liegt zwischen 95 und 140 cm, ihre Schulterhöhe, bis zum Widerrist, variiert zwischen 65 und 100 cm. Ihr Schwanz ist dabei zwischen 8 und 13 cm lang. Ausgewachsene Hirsche können bis zu 80 Kg auf die Waage bringen, jedoch sind weibliche Tiere wesentlich kleiner und auch leichter. Während des Sommers tragen diese Hirsche ein herrliches, rotbraunes Fell, das abgestuft über kastanienbraun bis dunkelbraun verläuft. Dabei finden sich große weiße Flecken, die in 7 bis 8 Längsreihen angeordnet sind. Im Winter verlieren diese weißen Flecken ihre Intensität und sind manches Mal überhaupt nicht mehr zu sehen, zumal ihr Fell dann nur noch graubraun gefärbt ist. In dieser Zeit bildet sich bei beiden Geschlechtern eine ziemlich dichte Halsmähne. Das Sommerkleid der Tiere wird ab etwa Mai, das Winterfell etwa ab September getragen. Bei allen Sikahirschen unterscheidet sich die Fellfarbe an der Hinterseite des Oberschenkels, von der sonst üblichen Fellfarbe. Der Spiegel ist weiß und von dunklen Haaren umrahmt. In der Mitte verläuft ein senkrechter dunkler Strich und das Schwanzende ist weiß. Bei Erregung wird der Spiegel gespreizt und hat dadurch eine sehr hohe Signalwirkung. Sehr gut ausgeprägt bei Sikahirschen ist der Geruchs- und Gehörsinn. Da die Tiere etwa 10 verschiedene Lautäußerungen von sich geben, mehr als andere Hirscharten, ist dies auch offensichtlich notwendig. Beim Weibchen sind das leise pfeifende Laute, bei Kälbern eher ein blökender Laut und bei den Hirschen in der Brunft hört man ein lautes Pfeifen, das in einem Brummton endet. Sikahirsche haben sehr große Metatarsalorgane, das sind Duftdrüsen, die jeweils im weißen Fellbereich der Beine liegen. Bisher gibt es noch keine eindeutige Erklärung für diese Organe, jedoch liegt der Verdacht nahe, das sie zur Reviermarkierung und zur Erkennung der Tiere untereinander eingesetzt werden. Überhaupt scheint der Geruchsinn eine sehr große Rolle im Leben dieser Hirsche zu spielen. Während der Brunft graben ausgewachsene Hirsche Kuhlen in die Erde, in die sie urinieren und sich dann darin wälzen. Sikahirsche gibt es heute in vielen Ländern der Erde, bei uns sind sie ein Neozoen. 1893 wurden sie bei uns zunächst als Parkwild eingeführt. Entflohene und ausgesetzte Tiere haben sich mittlerweile in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen angesiedelt und etabliert. Am Hochrhein sind sie bereits in die Schweiz eingewandert und man findet sie dort in den Kantonen Schaffhausen und Zürich. Als sogenannte Rauhfutterfresser ist ihr Nahrungsspektrum wesentlich größer, als das einheimischer Hirscharten. Dazu gehören Gräser, Zwergsträucher, Blätter, Knospen, Triebe, Baumrinde, Beeren, Früchte und Eicheln, in Feuchtgebieten und an der See auch Wasserpflanzen und Schilf. Dazu kommt das sie auch Feldfrüchte zu sich nehmen und in der Landwirtschaft und in den Wäldern, bei hoher Populationsdichte, massive Schäden anrichten können. Zudem sind sie auch noch überwiegend nachtaktiv! Ausgewachsene Männchen sind Einzelgänger, während die Weibchen und die Jungtiere sich zu kleineren Muttertierverbänden zusammenschließen. Im Herbst, zu Beginn der Paarungszeit, sammeln ausgewachsene Männchen einen Harem von bis zu 12 Weibchen. In dieser Zeit sind die Männchen sehr territorial und verteidigen den Harem auch gegen andere eindringende Männchen. Diese Kämpfe können sehr heftig ausfallen! Natürliche Feinde haben sie, außer dem Wolf, bei uns keine. Deshalb muss man die Entwicklung der Bestände stets im Auge behalten. Die Jagd auf Sikahirsche soll angeblich eine echte Herausforderung sein, da die Tiere extrem aufmerksam sind. Als Fleischwild sind sie wohl sehr interessant, so dass man sie derzeit noch nicht auf den Listen unerwünschter Tierarten finden kann.