Bienenfresser -  Merops apiaster

 

Alle Fotos 2016 Sandgrube Gaul Ingelheim

 

 

Bienenfresser gehören zu den buntesten Vögeln in Europa. Normalerweise kommen sie in Südwest- und Vorderasien, Nordwestafrika, Süd- und Südosteuropa bis Südostpolen vor. Diese Vögel, die bis 28 cm groß werden, lieben wärmere Gebiete und überwintern generell in Afrika. Bereits Ende der 1980er Jahre galt der Bienenfresser bei uns als ausgestorben. Etwa seit 1990 wandert er wieder in Deutschland ein und wird regelmäßig in wärmeren Zonen unseres Landes beobachtet. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts siedelten sich die ersten dieser wunderschönen Vögel rund um den Kaiserstuhl an. 2015 gab es geschätzt wieder 1000 Brutpaare in der BRD, wobei sich ein Teil der Vögel im südlichen Sachsen Anhalt, in der Nähe von Merseburg ansiedelten. Noch im gleichen Jahr tauchten plötzlich kleinere Populationen am Niederrhein, im Kreis Viersen und im nördlichen Kraichgau auf. In der Regel bevorzugen sie offene Landschaften in Wassernähe, mit vereinzelten Büschen und Bäumen. Allerdings brauchen die Tiere zum Bau ihrer Nisthöhle steile Hänge. So findet man sie jetzt wieder häufiger in ehemaligen Bergwerkgebieten und älteren verlassenen Lehm- oder Sandgruben. Bienenfresser gehören zu den Rackenvögeln, wie beispielsweise der Wiedehopf und der Eisvogel. Letzterer zeigt ein ähnliches Brutverhalten. Je nach Region und Temperatur fangen diese Vögel bereits im April mit ihrem Nestbau an. Dabei graben sie längere Gänge in die Erde, die schon mal bis zu 150 cm und länger sein können. Als Kolonienbrüter liegen die Nester meistens sehr dicht beieinander und haben gut sichtbare Einfluglöcher, die schon so etwa 8 bis 10 cm groß sein können. Dahinter liegen die etwa 5 cm breiten Röhren die am Ende in einer Bruthöhle, dem eigentlichen Nest, enden. Allein für die Vorbereitungen benötigen die Paare bis zu drei Wochen. Man findet auch immer wieder angefangene Röhren dazwischen, die nicht fertig gestellt wurden. Bienenfresser sind erstklassige Flugakrobaten, auf dem Boden wirken sie eher etwas unbeholfen. Einzelne Paare brüten gelegentlich als Pioniere außerhalb von Kolonien. Daraus entwickeln sich dann entweder wieder neue Kolonien, oder diese Brutplätze werden wieder aufgegeben. Spätestens Mitte Mai legt das Weibchen dann etwa 5 bis 7, etwa 2,5 cm lange glänzend weiße Eier, die dann von beiden Partnern, vom Männchen etwas weniger, bis zu 23 Tage bebrütet werden. Allerdings ist die Anzahl der Eier, wie bei vielen Vögeln, vom Nahrungsangebot abhängig. Nach dem Schlupf beträgt die Nestlingszeit bis zu 30 Tage. Allerdings werden die Jungtiere nach dieser Zeit immer noch etwas länger durch die Eltern betreut. Bienenfresser fressen nicht nur Bienen. Zu ihrer Nahrung gehören auch Hummeln, Wespen, Hornissen, Libellen, Zikaden und allerlei fliegende Käfer. In den letzten Jahren wurden einige Kolonien im nahen Rheinland Pfalz gesichtet und dann auch durch die Grubenbesitzer gefördert. In der Sandgrube Gaul in Ingelheim wurde eigens für sie große Erdmengen bewegt, um einen künstlichen Hügel mit Steilwand zu schaffen. Leider liegt dieser Hügel etwa 70 m vom etwa 3 m hohen Außenzaun entfernt, zu weit um von der Brutkolonie selbst noch durch das Gitter, befriedigende Fotos zu machen. Allerdings sind diese Vögel so gesellig und lassen sich immer mal auf dem niedrigen Innenzaun oder auf den Bäumen nieder. Hier ist man dann mit 30 bis 40 m Entfernung noch recht gut bedient. Insgesamt ein sehr schönes Naturerlebnis, natürlich auch noch mit anderen seltenen Vögeln.

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