Portfolio - Reh - Capreolus capreolus

 

Alle Fotos 2015 - 2019 aus dem Wildpark Alte Fasanerie Klein Auheim

 

 

Rehe sind die wundervollsten Waldgeister, die man sich vorstellen kann. Eigentlich sind sie in unseren Feldern und Wäldern immer präsent und doch kaum zu sehen. Rehwild ist unglaublich scheu und lebt deshalb sehr gerne versteckt und zurückgezogen. Bei der geringsten Störung fliehen Rehe und die ist auch der Grund warum sie heute leider so häufig in Wildunfälle verwickelt werden. Menschen riechen sie schon auf 300 m Entfernung, eine tolle Sinnesleistung! Es gibt derzeit noch etwa 2,5 Millionen Rehe bei uns in Deutschland. Eine Zahl die beeindruckt, mal eine Art die "noch" nicht gefährdet ist. Das Reh ist zudem das Wildtier des Jahres 2019 und es macht mir deshalb besonders Freude etwas darüber zu schreiben. Rehe sind die kleinsten Hirsche in Europa. Früher kamen sie überwiegend nur in den Randbereichen der Wälder vor, heute findet man sie vermehrt auch auf freien Fluren, in Feldern, Buschland und natürlich überall in den Wäldern. Sie sind übrigens nicht mit unserem Rot- oder Damwild verwandt, dann schon eher mit den Elchen des Nordens, als sogenannter Trughirsch. Rehe sind sehr wählerisch was ihre Nahrung anbelangt. Sie sind sogenannte Selektionsfresser und nehmen somit eine Sonderstellung unter den Hirschen ein. Deshalb sollte man Rehe auch nicht füttern, sie wissen selbst sehr gut was ihnen bekommt. Bestimmte Kräuter, Gräser, Knospen, Triebe und Blätter bilden den Hauptbestandteil ihrer Nahrung. Erstaunlich ist, das sie auch sehr gerne die Dornigen Blätter der Brombeere fressen. Ihre Scheu und die Tatsache das Rehe nicht alles an Futter aufnehmen ist auch der Grund, warum man sie in Wildparks oft vergebens sucht. Der Wildpark Alte Fasanerie hält seit 2015 ein Reh mit großem Erfolg und mittlerweile sind sie seit 2017 schon zu dritt. Alles Findelkinder die vor dem sicheren Tod gerettet wurden und von liebevoller Menschenhand aufgezogen wurden. Ihre größten Feinde sind der motorisierte Mensch, Mähdrescher, Fuchs, Luchs, Wolf und Wildschweine. Rehe werden bis zu 12 Jahre alt. Mit etwa 80 cm Schulterhöhe und einer Kopfrumpflänge bis zu 90 cm sind die Tiere bereits ausgewachsen. Dabei wiegen sie etwa 15 bis 22 Kg. Zur Flucht und bei Beunruhigung nutzen Rehe schnelle und wenige Sprünge, zur Deckung im nächsten Unterholz. Deshalb werden Rehe dem sogenannten Schlüpfertypus zugerechnet. Insgesamt fällt ihre Wirbelsäule von hinten zum Kopf hin leicht ab. Somit ist der hintere Teil des Rumpfes zur Schulter hin etwas höher. Ihre Beine sind schlank und sehr lang und am Sprunggelenk stark eingeknickt. Aufgrund ihres Körperaufbaus sind sie in der Lage überall schnell durchzuschlüpfen, selbst in völlig dichter Vegetation. Rehböcke tragen ein bis zu 20 cm langes Geweih, das aus drei Spießenden besteht. Dieses wird zur Auseinandersetzung mit anderen Artgenossen und über spezielle Drüsen an der Geweihbasis, zur Markierung des Reviers genutzt. Ricken tragen keine Geweihe. Ausgewachsene Böcke werfen zwischen Oktober und November ihr Geweih kurzfristig ab. Danach beginnt das neue Geweih unter der vorhandenen Basthaut sofort wieder zu wachsen. Das Wachstum des Geweih endet im zeitigen Frühjahr, wenn die Böcke die Basthaut unter Zuhilfenahme von Abstreifhilfen, wie Büsche und kleine Bäume im Wald, beseitigt haben. Die Färbung der Rehe kann sehr voneinander abweichen und variiert auch zu den unterschiedlichen Jahreszeiten. Von rotbraun über fahlgelb bis hin zum grau ist alles möglich. Die Unterseite und die Innenseiten der Beine sind immer heller gefärbt. In Norddeutschland gibt es sogar einzelne, fast schwarze Individuen. Allen gemein ist der Spiegel, das Hinterteil der Tiere, das immer gelblich bis weiß gefärbt ist. Die Haare selbst sind innen hohl und gewähren somit einen sehr guten Kälteschutz und thermischen Ausgleich bei jedem Wetter. Im Frühherbst wechseln Rehe ihr Fell, danach ist es überwiegend grau gefärbt. Rehe sind in der Regel sehr Standorttreu und haben Reviere die sie mit ihren Fußdrüsen, oberhalb der Hufe, markieren. Diese Reviere werden häufig über Jahre hinweg gehalten. Während der Tragzeit leben die Ricken völlig einzelgängerisch. Die in der Regel 1 bis zu 3 Kitze werden dann zum eigenen Schutz einfach abgelegt. Die Ricke bewacht die Kitze dann und verteidigt sie auch, selbst gegen andere Ricken. Gerade in dieser Zeit kommen sehr viele Kitze ums Leben, da sie völlig bewegungslos dort liegen bleiben, wo sie die Ricke abgelegt hat und dann Opfer von Erntemaschinen werden. Felder und Wildwiesen sollten deshalb grundsätzlich vor der Ernte, durch Begehung mehrerer Personen völlig kontrolliert werden. Im Herbst schließen sich Rehe häufig zu kleinen Verbänden zusammen und ziehen dann gemeinsam umher. Wer noch mehr über diese bezaubernden Waldgeister lesen möchte, kann das hier tun.

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