Portfolio - Seychellen-Riesenschildkröte - Geochelone gigantea

 

Alle Fotos 2012 - 2017 aus dem Zoo Vivarium Darmstadt

 

 

Schildkröten besiedelten unseren Planeten bereits vor etwa 12.000 Jahren. Allerdings waren die landgebundenen Arten, wie die Familie der Testudinidae, die 39 Arten umfasst, immer auf wärmere Zonen angewiesen. Diese sogenannten rezenten Arten bewohnten und bewohnen heute noch alle tropischen und subtropischen Regionen unserer Erde, wie Nord-, Mittel und Südamerika, Süd- und Südostasien und fast den gesamten Mittelmeerraum. Auch in Afrika sind einige Arten weit verbreitet. Für die Riesenschildkröten gibt es heute leider nur noch sehr wenige und sehr eingeschränkte Verbreitungsgebiete. Wie der Name schon sagt kommt die Seychellen Riesenschildkröte heute nur noch auf den westlichen ozeanischen Inseln, wie den Seychellen und dem Aldabra Atoll vor, das politisch zumindest, auch zu den Seychellen gehört. Ihr Bestand wird derzeit insgesamt noch mit 150.000 Individuen beziffert. Allein auf der nur 1 qkm großen Insel Moyenne, gibt es die insgesamt größte zusammenhängende Population dieser schon urzeitlichen und interessanten Tiere. Auf den vielen anderen ostafrikanischen Inseln, wie beispielsweise Madagaskar, sind sie bereits längst ausgestorben. Noch bis zum 18. Jahrhundert gab es entlang des afrikanischen Indopazifik noch rund 20 Inseln auf denen Riesenschildkröten lebten, es wird allerdings jetzt höchste Zeit die letzten Riesen in ihrem allerletzten Rückzugsgebiet zu schützen. Diese sind auch heute noch vielen Gefahren ausgesetzt, die es nur in bestimmten Maße, schon früher für sie gab. Der Mensch gehört natürlich dazu, denn Riesenschildkröten wurden schon immer gerne verzehrt. Dazu kam, dass viele Seefahrer sie früher als "sogenannte lebende Konserven" nutzten und so der eintönigen Seefischkost und dem Skorbut Paroli boten. Dies ist zwar heute nicht mehr das Problem, jedoch sind sie jetzt durch menschliche Hinterlassenschaften auf ihren Inseln stark bedroht. Auf die Inseln eingeschleppte Katzen, aber vor allen Dingen auch Ratten machen den Tieren schwer zu schaffen. Dazu kommt der illegale Handel mit den lebenden Riesen, die natürlich immer noch gefangen und von den Inseln abtransportiert werden. Ein einziges Trauerspiel, wie ich meine und es hätte mich gewundert, wenn nicht Homosapiens auch hier für ihr Tierleid verantwortlich wäre. Seychellen Schildkröten werden bis 120 cm lang und bis zu 250 Kg schwer. Sie erreichen unter normalen Lebensbedingungen ein Alter, von dem wir nur träumen können, so 150 Jahre sind da locker drin. Sie ernähren sich von praktisch allem fressbaren, überwiegend von dem Grün das in den Felsspalten, oder als Schildkrötenrasen, auf einigen Inseln wächst. Durch regelmäßiges Abweiden der Schildkröten, entstehen bei vielen Pflanzenarten Zwergformen, die dann immer wieder von ihnen abgeweidet werden. Aber auch Früchte, tote Tiere, einschließlich toter Artgenossen und tote Fische, die angespült werden und leider auch von Plastikteilen aus dem Meer. Bei letzteren besteht ja kein Mangel, da unsere hirnlose Subkultur das Meer ja zunehmend als Müllhalde nutzt. Da es kein Trinkwasser, besonders auf den abgelegenen Inseln gibt, sind sie in der Lage durch die Nase zu trinken. Da Regenwasser durch den kalkigen Korallenfels sehr schnell versickert, sichern sie sich ihren Anteil mit gestrecktem Kopf und nehmen so durch die Nase jedes Rinnsal auf, das durch die Felsspalten tropft. Große Sonnenhitze vertragen auch sie nicht und sie tun dann alles, nur um einen Schattenplatz zu ergattern. Des nachts wird dann geschlafen, wo man gerade liegt. Riesenschildkröten werden erst mit 20 bis 24 Jahren Geschlechtsreif. Die Männchen sogar noch später. Während der Paarung geben die Männchen ziemlich heisere Stöhnlaute von sich, die man über sehr große Strecken hören kann. Die Eiablage erfolgt dann in lockerem Sand. Dazu graben die Weibchen mit ihren Hinterbeinen möglichst tiefe Eiablagemulden. Während der Eiablage und beim zuschaufeln gibt das Weibchen so 5 bis 6 Liter Urin ab. Damit wird der Sand wie mit Zement über den Eiern verfestigt, so das Fressfeinde von oben nicht an die Eier kommen, bevor die Jungtiere dann schlüpfen können. Allerdings sind die Jungtiere beim Schlupf schon in der Lage, sich seitlich unter diesem sogenannten Zementdeckel, frei zu graben. Seychellen Riesenschildkröten gibt es relativ selten in Zoos zu sehen. Der Zoo Vivarium Darmstadt hält diese Tiere schon viele Jahre mit großem Erfolg!